Open Door

Von Zeit zu Zeit denke ich darüber nach, dass während meiner Studienzeit an der Hochschule es einen Wechsel des Dekanpostens gab. Schwarz war raus, Hartmut “Habu” Wöhlbier drin.

Er hat sicherlich vieles anders gemacht als seine Vorgänger, aber eine Sache scheint mir im Rückblick sehr visionär und profund. Wo vorher das Dekanat und die Professoren in ihren Zimmern eine Autorität waren und man Termine brauchte, um eine Audienz zu bekommen, gab es bei Habu eine Open Door policy. Das heisst, wenn er im Büro war und nicht in einem Gespräch, war seine Tür offen. Man konnte von weit schon sehen, ob er da war und man konnte jederzeit (!) einfach die kleine Treppe (wir waren in Bau 11, 2. OG, was jetzt Bau “L” heisst) hoch und kurz reinschauen. Die Chance, dass man sein Anliegen unbürokratisch in den nächsten 2 Minuten erledigt hatte: hoch!

Das erscheint mir aus heutiger Sicht extrem schlau, menschlich und pragmatisch. Es gab keine Autorität per se, man war einfach zwei Personen in unterschiedlichen Rollen an der Hochschule und man konnte auch ganz normal miteinander reden. Irgendwie haben die Semester, in denen er Dekan war, einen großen Eindruck hinterlassen bei mir und einer der Faktoren, über die ich manchmal sinniere, war diese niederschwellige Art, die Fakultät zu leiten.

Keiner nach ihm hatte die Tür offen und oft mussten Anliegen langwierig über Email gelöst werden.

Wenn ich Dekan bin, werde ich es auf jeden Fall genau so halten wie Habu damals 2005 (?)

Fediverse reactions