Wo die wilden Kerle wohnen

Schon seit einer ganzen Weile wollte ich mal ein wenig über mein liebstes Kinderbuch schreiben, das mich für mein Leben geprägt hat, aber erst gestern Abend hatte ich Gelegenheit, mir ein paar tiefergehende Gedanken zu machen (Achtung für Leute, die das Buch noch nicht gelesen haben: Spoiler!)
Geht man vom gewöhnlichen Kinderbuchstandpunkt aus, könnte man meinen, es gehe um den hyperaktiven Jungen Max, der zur Strafe für sein ungezogenes Verhalten (Ungehorsam gegenüber der Mutter) ohne Abendessen in sein Zimmer gesperrt wird. Während dieses “Time-Outs” tritt er seinen inneren Dämonen (Aggression, Anarchie, etc.) gegenüber und zähmt sie, beruhigt sich also. Nach einiger Zeit, in der er seine Triebe ausgelebt hat, erinnert er sich an die Zivilisation (Familie?) und kehrt zurück, wo er darauf feststellt, dass er doch ein Essen erhalten hat. Lediglich seine Rückkehr aus dem Land der Wilden war nötig.
Gleichzeitig hat er eine Lektion über die Erwachsenenrolle gelernt: Als er im Land der wilden Kerle ankommt, sind diese zunächst eine Bedrohung für ihn, aber er gebietet Ihnen, still zu sein (eigentlich wie seine Mutter ihm selbst.) Doch anders als er, gehorchen sie ihm und krönen ihn zu ihrem König. Als ihm nach einiger Zeit bewusst wird, dass er der letzte ist, der sich ungehörig verhält (wild), kehrt er selbst heim und fügt sich in die ihm angemessene Rolle.
Was mir aber gestern aufgefallen ist, sind Parallelen zum Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11.) Max kann eine ganze Weile lang wild und frei sein, erlebt dann aber sein Leben als sinnentlehrt und trist. Erst die Einsicht ermöglicht ihm die Umkehr und Heimkehr, wo er wider Erwarten bereits ein gemachtes Essen vorfindet und damit erfährt, dass die Vergebung unabhängig von seinen Taten stets in Reichweite war. In dieser Interpretation sind die wilden Kerle wohl eher Versuchungen, denen man nachgeben kann. Die Abkehr ermöglicht die Erlösung. (Der wesentliche Unterschied ist im Epilog zu finden, denn Max Bruder – wahrscheinlich “Wax” – tritt im Buch nicht auf. Wer kann ahnen, was diesem in der gleichen Zeit im angrenzenden Zimmer widerfährt?) Ich bin natürlich sehr interessiert, wenn jemand von euch seine eigenen Gedanken zum Thema teilen möchte.
So, weil wir gerade davon sprechen, hab ich natürlich etwas recherchiert und interessante Neuigkeiten zum Kinofilm gefunden. Ich zeig einfach mal ein paar Bilder davon, die aus einem geleakten Teaser oder sowas entnommen sind. Den kann man sich (nach einer kurzen Werbung) bei movieweb ansehen.




McFarlane Toys hat vor einiger Zeit (Oktober 2000) eine Reihe Sammlerfiguren herausgegeben, mit denen ich auch schon liebäugele. Aber wie soll man nur entscheiden, welche (grosser Screenshot) man haben will? Einen Blick auf die Website sind sie allemal wert.

Bleibt zu hoffen, dass der Spielfilm kein Desaster wird. Das Buch jedenfalls hat von seiner Faszination nichts eingebüßt. Wir werden sehen. So lange kann man versuchen, mit dem WTWTA Blog auf dem Laufenden zu bleiben.

Responses
Ich konnte mich mit dem Buch als Kind nie so richtig anfreunden. Bin mir nicht sicher wieso, ich glaube weil ich immer den Eindruck hatte, dass der kleine Max von zu Hause abhaut. Klar nur in Gedanken, aber ich hatte immer den Eindruck er läuft weg von zu Hause.
und damit konntest du dich nicht identifizieren? weil du denkst, er stellt sich der problematik nicht?
Ich finds immer extrem traurig wenn Kinder von zu Hause weglaufen. Früher schon, heute wahrscheinlich noch mehr.
Mein Buch isses auch nicht gewesen. Mir war das Buch als Kind zuwenig zu lesen. Heute ist es genau die richtige Textmenge für mich.
Vom Film erwarte ich aber trotzdem was, immerhin ist der Regisseur Spike Jonze. Und von dem hab ich erst letztens Being John Malkovich gesehen, ne ganze Menge Björk Videos sind auch von dem, sein Style steht völlig ausser Frage.
Ich erwarte deftige Sexszenen und eine Menge Gewalt! Und Roboter! Und Brüste! Und Explosionen! Also all das, was einen R I C H T I G G U T E N Film halt so ausmacht!
LOL, geil: früher wars zu wenig zu lesen, heute genau richtig :D das muss ich mir merken.
so. alles geht wieder.
Ich liebe “Wo die wilden Kerle wohnen”, das hat mir immer ein Freund meines Vaters vorgelesen, der Karl, seither nannte ich ihn den “wilden Karl”. Heute nenne ich ihn immer noch so, was witzig ist, weil er ganz dünn und klein ist, eine runde Nickelbrille trägt und eine Halbglatze hat, also nicht soooo wild aussieht.
Deswegen wundern sich bestimmt immer alle, wenn ich vom wilden Karl spreche.
Soviel von mir und meinem ersten Eintrag auf Deinem Blog.
cool, sonst schreibst du immer nur bei der christin :) jetzt profitier ich mal davon, dass sie mich verlinkt hat.
Ich war schon volle Kanne oft auf Deinem Blog, ja das stimmt.
Bisher konnt ich halt nie mitreden, aber jetzt bei den “Wilden Kerlen”, da weiß ich Bescheid.
Außerdem muss ich mich doch einschleimen, wegen dem Eichhörnchen…..
Ach so, ja klar. Bist du auch schon so aufgeregt wie ich?
Nö.
Update: der echte Trailer ist jetzt scheinbar erschienen. Man kann ihn sich auch schon anschauen: Wo die wilden Kerle wohnen Trailer.
Richtig super find ich ihn allerdings nicht. Aber ich bin ja auch ein hardcore Fan vom Buch. Vielleicht ist das wie beim Herr der Ringe oder bei Star Wars :/
Nur bei Starwars kam der Film zuerst ;)
hae? keine ahnung, was bei dem kommentar in mich gefahren war :& LOL
Finde den Film sehr schön, weil man sich Gedanken drüber machen kann. Ich sehe in den wilden Kerlen die Verkörperung von Maxens Gefühlen. Würde gerne genauer analysieren, welcher Kerl welche Emotion verkörpert.