Racing the Strassenbahn
ich treibe nicht sehr viel sport. aber es gibt eine sache, in der bin ich nach all den jahren trotzdem stetig besser geworden. wer kennt das gefuehl nicht. man steht in der stadt. es regnet. man will nach hause und muss bahn fahren. man will nichts sehnlicher, als einen schna… heissen kakao auf seinem sofa trinken. man sieht die bahn in geringer distanz noch an der haltestelle stehen. man beeilt sich und haemmert auf dein tueroeffnerknopf …als sie losfaehrt.
nun trennt sich die spreu vom weizen: den einen ist es egal. sie warten im regen auf die naechste bahn, die wenn sie pech haben und es spaet abends ist vielleicht erst in 30 minuten (oder gar noch laenger) faehrt. die anderen aber entwickeln einen hass auf dieses sadistische schwein von strassenbahnfahrer. und fangen an zu rennen. die stadthaltestellen liegen nicht sehr weit auseinander. da fahren nur ab und zu ein paar toedliche autos zwischendrin. aber das ist gut, denn da muss die bahn auch warten. und die ist nicht so beweglich wie ein hagerer student, der wie ein wahnsinniger zwischen passanten und autos hindurchrennt.
genug der vorrede. einige von euch werden das schonmal gemacht haben, andere nicht. denen liegts halt nicht in der natur. aber so ein adrenalinkick auf leeren magen hats mir schon immer besorgt. darum wollte ich euch mal von meinen persoenlichen lieblingsdistanzen erzaehlen (auch wenn ich nie auf die idee kommen wuerde, die mal aus spass zu laufen. es geht jedesmal wieder um alles. naemlich entweder heimzufahren, oder ewig auf die naechste bahn zu warten.)

die erste distanz, die ich je versucht habe war die haltestelle friedrichstrasse-neckarau bahnhof. die ist einfach, weil man sehr frueh sehen kann, ob die bahn schon in der haltestelle steht und dann kann man schon losrennen richtung bahnhof, auch wenn sie noch nicht losfaehrt. dann laeuft man einfach die neckarauer strasse entlang und schaut, wann der gegenverkehr rot hat. dann schnell ueber die strasse und die 2 gleise (ich lasse vorzugsweise die bahn erst vorbei) und dann in den letzten wagen einsteigen. einfach.
eine andere strecke, die zwar kurz, aber sehr schwer ist, ist die distanz wasserturm-kunsthalle. denn man muss sowohl ueber den ausgang der kunststrasse (3-spurig), als auch ueber den ring (3-spurig) und dann noch die haltestelle entlang, die recht gross geraten ist. bin ich bisher 3mal gelaufen. nur einmal davon geschafft. moderat-schwer.
noch eine strecke, die ich zwar selten gelaufen bin, aber die mich schon nochmal interessieren wuerde, ist die distanz paradeplatz-schloss. das ist ziemlich weit. aber dafuer ist der gehweg sehr breit und die strassen zwischendrin nicht so gefaehrlich. nachts kann mans auf jeden fall schaffen, wenn wenig autos fahren. da ist man schon fertig hinterher. praedikat: moderat-schwer.
zum schluss noch eine alptraumstrecke. ich liebe sie und ich hasse sie. sie fordert jedesmal wieder das letzte. und mehr. behold: hauptbahnhof-tattersall. diese strecke hat alles. sie ist weit. sie geht ueber eine 6-spurige strasse (B37), die mit ketten abgesperrt ist. wahlweise (meine wahl) kann man durch die tiefe unterfuehrung laufen, wo einen auf jeder seite dreissig treppenstufen erwarten, die im regen rutschig werden. wenn man es auf der anderen seite unter einsatz der letzten kraftreserven noch einmal bis ans tageslicht schafft, wartet ein letzter 50-meter sprint auf einen, waehrend die bahn majestaetisch vorbeizieht und der strassenbahnfahrer dir den finger zeigt. ich bin die strecke schon in beide richtungen gelaufen und sie ist jedesmal die hoelle, weil sie so affenschwer ist. und es fuehlt sich nichtmal gut an, wenn mans geschafft hat. man waere lieber tot. aber wenigstens kommt man nach hause. und man hats dem fahrer gezeigt. und das ist es doch fast schon wert. praedikat: schwer!
was seid ihr schon gelaufen?
Responses
ich hab das ja schon ein paar mal beobachten duerfen, dass der arno am ende einer unternehmung mitten in der unterhaltung oder der verabschiedung auf einmal loswetzt wie ein verrueckter – der bahn hinterher. das ist immer sehr witzig anzusehen… und eigentlich hab ich nur 2 worte dafür.
allerings muss ich mich outen – I’ve been there! nur halt anders:
ich bin mit dem fahrrad der bahn. die ich noch unbedingt bekommen mussten, hinterhergefahren. vom schloss zum wasserturm. und ich hab sie sogar noch bekommen. trotz der vom arno erwaehnten paar toetlichen autos…
allerdings hab ich dann am nationaltheater gemerkt, dass ich in der falschen bahn saß. also, in der richtigen bahn, aber in der falschen richtung. hmmm. ja, auch dafuer hab ich nur zwei worte!
ich hab mir auch passenderweise seit gestern wieder den alten hit von uphonics “running” wieder auf den ipod geladen. “I’m always running, when I’m on the street, I’m amazing the world, under my feet …”. aber im tandu/mcloud remix!
MASSIVE PROPS fuer diesen artikel, arno. wohl einer der besten die seit langem hier gelesen hab. ich renn ja nicht nach der bahn weil ich vermute dass mich das alles in allem mindestens 3 jahre meines lebens kosten wuerde, mit dem ganzen stress. gestern stand ich vor der aufgabe, die strecke alte feuerwache-mannheim hbf zu fuss in 23 minuten zu bewaeltigen. wir haben dann ab paradeplatz ein taxi genommen…
oooch, das kann man doch schaffen, wenn man rennt. ich persoenlich haette ja die strecke ueber den ring genommen, da kann man nachts gut laufen, weil nicht mehr viel los ist.
und ich vermute ja, dass mir diese rest-sportbetaetigung 3 jahre zu meinem leben dazugibt :) ich sehs auch weniger als stress, als als herausforderung. trotzdem danke fuer dir props.
ich bin in karlsruhe mal die 500 Meter Distanz gesprintet, quer durch einen Spielplatz und ein paar Absperrungen. In Mannheim kenne ich die Distanz von Shafiqs Laden(Schwetzinger 101) bis zum Hauptbahnhof sehr gut und möchte auch behaupten schneller als die Bahn zu sein, denn 8 Minuten langen völlig. Überhaupt liege ich nicht so sehr mit der Strassenbahn, sondern mit der deutschen Bahn im Wettrennen, da ich nie rechtzeitig loszukommen scheine und dann meistens in letzter Minute in die Bahn hechte. Die Distanz Mannheim-Planken zum Hauptbahnhof habe ich deswegen nachts auch schon gut kennengelernt.
Strohmarkt-Wasserturm. Deutlich weiter als man denkt. Vor allem, wenn man den Olli unterm Arm hat.
Generell entscheidet sich der Kampf Mensch gegen Bahn auf den ersten Metern. Überlegt man einen Tick zu lange, ob man überhaupt rennen soll, dann kriegt die Bahn Oberwasser, kommt ins Rollen und ist dann nicht mehr aufzuhalten.
Schade – eine Haltestellenzusammenlegung hat eine prima Distanz für Einsteiger zerstört: H Kattowitzer Zeile bis H Konitzer Weg. Besonders wenn man – wie ich früher – aus dem Dirschauer Weg in die Kattowitzer Zeile einbog.
Dort konnte man – besonders bei hart gewählten Zeitfenstern – die Straßenbahn dann bereits an der H Kattowitzer Zeile stehen sehen. Die ca. 120 m Distanz Dirschauer Weg bis H Konitzer Weg waren in strammem Galopp prima zu bewerkstelligen.
Besonderen Kick konnte man durch ein noch härteres Zeitfenster bekommen, wenn man die Straßenbahn also bereits an der H Kattowitzer losfahren oder gar noch aus dem Dirschauer Weg heraus schon an sich vorbeiziehen sah.
So konnte man sich quasi klasse ansteigende Trainingseinheiten zusammenbasteln.
Einer der spannendsten Contests war bei mir, in 4 oder 5 min von der Fressgasse, ungefähr Höhe Cineplex, bis zum Tattersal auf die 1 zu kommen. Da half mir der ganze Alkohol, den ich intus hatte, über die körperlichen Schmerzen und den Kaiserring hinweg. Die Strecke zum Tattersal ist besonders knifflig, da man den direkten Vergleich zur Bahn nicht hat, sondern ihr entgegensprinten muss.
Ansonsten gibt es eine unpopuläre aber praktikable Cheatmöglichkeit, mit der man jeden MVV-Lenker bezwingt – wenn man diesen Joker rechtzeitig zieht: Man muss sich noch vor der Bahn befinden, dann einfach auf den Gleisen laufen, fröhlich lachen und winken, das Gebimmel ignorieren und sich in Richtung der nächsten Station begeben. Bei der Deutschen Bahn würde ich aber dann doch empfehlen, lieber auf die nächste Bahn zu warten, als vor den Zug zu springen. Leute, die das machen, haben in der Regel eine andere Intension.
Dreistigkeit siegt immer :)
super
Gestern, ich gegen den 48er Bus. 30°, 200% Luftfeuchtigkeit, 300 Meter den Berg hinauf und dann eine 4 spurige Straße überqueren. Es ist schön siegreich zu sein. Auch wenn es nur ein Bus ist und keine Bahn.
Gestern: 7:05, 29° 120% relative Luftfeuchtigkeit, leichter Regen.
Die Strecke: 250m, 3 Ampeln, 3% Steigung.
Die Kontrahenten: Der 91er Bus, ich.
Start: An der roten Ampel.
Wir mussten beide an der gleichen Ampel warten. Der Busfahrer kuckt zu mir rüber, ich schau ihn an. Die Fronten sind geklärt. Der Startschuss. Ein Sprint. Ein altes Päärchen versucht mir den Weg zu blockieren.Hätten sie lieber nicht gemacht, weiter gehts. Das Ziel. Der Bus steht noch da. Der anerkennende Blick des geschlagenen Busfahrers, jeden Tropfen Schweiß wert.
ach es ist schon toll, wenn jemand noch so viel leidenschaft in ein ziel steckt. der max wird nur verwundert den kopf schuetteln, der wartet dann lieber auf den naechsten bus. aber es geht eben auch drum dem busfahrer zu zeigen, dass er nicht superman ist …sondern DU!
Zu meiner Frankfurt-Mannheim Pendelzeit im ersten Semester musste ich IMMER Hauptbahnhof-Tattersaal rennen, weil die Bahn aus Frankfurt so knapp angekommen ist und man die 1 auf JEDEN verpasst hat. Pünktlich zur FH kommen ging dann nur mit a.) Die Bahn eine Stunde früher nehmen oder b.) vom HBF der 1 hinterherrennen.
Als Belohnung hab ich da dann oft die Tina getroffen :)
Gestern habe ich einen Fehler gemacht, gleiche Strecke, wieder der 91er Bus, allerdings habe ich diesmal auf den ersten 20 Meter so einen derben Sprint hingelegt, dass da schon klar war, dass ich den Bus auf jeden Fall bekommen werde. Die ganze Spannung war also weg. Klar der Busfahrer und die Fahrgäste haben mir wieder anerkennend zugenickt, aber es ist dann doch nicht das Gleiche, so ganz ohne Adrenalin.
Daniel: 4
Bus: NULL!
Zu viel! Zu vie!l Viel zu viel!
Wieder ca. 100 Meter, ebene Strecke, klingt einfach, war aber vorher Basketball spielen, 2 Frauen versperren mir den Weg, ein kurzes aber entschiedenes “HEY!!!!!!!!!!!!!” ein entschuldigendes “Thank you” – es war keine Zeit und kein Raum um fair zu spielen – Wadenkrämpfe auf den letzten 10 Metern.
Der Busfahrer musste sich dennoch enttäuscht geschlagen geben. Nur ein einziger Fahrgast hat den Kampf Mann gegen Maschine beobachtet, aber ich bin froh, dass ich diesem alten Mann gezeigt habe dass es sich noch lohnt an die Jugend zu glauben, dass die Maschinen noch nicht die Herrschaft übernommen haben. So lange es da draussen auch nur einen einzigen gibt, der den Glauben nicht noch nicht verloren hat, werde ich weiter rennen.
Gleiches Spiel heute Morgen. Wieder war der Bus unterlegen…man beginnt sich zu fragen, wie sich die Dampfmaschine je gegen das Laufrad durchsetzen konnte….
Und ich kriege ihn JEDESMAL. HAHAHAHAHA.
hey, also ich bin alle wege schon gelaufen :)
was auch nicht schlecht ist…
du siehst, die bahn am paradeplatz ist bereits losgefahren, es ist schier unmöglich sie am schloß noch zu erreichen :) d.h. bis zum tattersall! wer ist die strecke schonmal gelaufen?
lg timo
Strömender Regen, so sehr, dass man den Fuß in die Lichtschranke zu halten nicht nötig findet, da einen der Herr im Cockpit der Linie 3 ja gesehen hat, wiewohl keine Sau auf dem Marktplatz ist. Wider Erwarten aber tut er so, als ob nicht! Dann der Sprint zum Paradeplatz, durch die Gasse zwischen Q1 und Q2, und Einstieg in die vorderste Tür – nicht in der Lage zu sprechen, aber ein Triumph!
Marktplatz-Paradeplatz: mittelschwer :-)
Für die Linien, die zum Schloss hin halten, ist es vielleicht noch ein bisschen schwerer, es kommt dann noch mehr auf die Ampel in der Fressgasse an.
Und: Danke für die inspirierte und inspirierende Idee!
Übrigens sind es jetzt – Anfang 2008 – dann schon bald wieder fünf Jahre seit dem Tod von Wolle Kriwanek, dem Autor von “Stroßaboh”. Refrain: Ich muss die Straßenbahn noch kriegen, nur der Fünfer bringt mich heim, ich muss die Straßenbahn noch kriegen – denn laufen will ich nicht!
http://www.wollekriwanek.de
(Audio, Stroßaboh [ganz oben], “play” drücken)
danke fuer den netten beitrag. nach einem sprint noch in die vorderste tuer zu kommen zeigt natuerlich dem sadistischen strassenbahnfahrer, was man von ihm haelt :)
Hahahah. Ich musste so lachen gerade :) Vor allem schön, wenn man dann völlig aus der Puste mit Mühe und Not in den letzten Wagen der Strassenbahn in die letzte Türe einsteigt. Die mitleidigen Blicke der Mitfahrer… Aber immerhin hat man sich dann sein Adrenalin so rausgestrampelt, dass man keine Agressionen mehr gegen den Fahrer hat.
Thanks for sharing your trip to Biarritz and the aquarium! It’s cool that you remembered the squid from years ago and wanted to revisit them. I love how travel memories can stick with us like that.